Wolfgang Wieland/SP-X - 30. März 2017, 10:04 Uhr AUTOMOBIL
Test Mercedes-AMG GT Roadster - Klappt auch offen
Ähnlich wie in der Porsche 911-Familie, wird es jetzt auch beim AMG GT von Mercedes langsam unübersichtlich. Die Schwaben schieben den vier geschlossenen Varianten des Sportwagens jetzt zwei offene Versionen hinterher. Das Plus an Frischluft muss man allerdings teuer bezahlen.
Eigentlich sind die beiden Oben-ohne-Flitzer ja gar keine Roadster in engeren Sinne, denn nach einer solchen Definition ist ein Roadster ein extrem leichter, zweisitziger Sportwagen ohne klappbares Verdeck, bei dem der Fahrspaß zu Lasten des Komforts optimiert wurde. Mit mindestens 1.670 Kilogramm Leergewicht kann von Leichtbau beim Frischluft-GT sicherlich nicht die Rede sein, das dreilagige, in den drei Farben beige, rot und schwarz erhältliche Stoffverdeck öffnet und schließt komfortabel auf Knopfdruck in elf Sekunden und das bis zu einem Tempo von 50 km/h. Und die umfangreichen und teilweise auch sehr kostspieligen Sonderausstattungsoptionen, die wir in der 52-seitigen Preisliste finden, machen die Open-Air-Affalterbacher zudem zu äußerst komfortablen Racern. Die beiden offenen GTs sind also auch nur einfach Cabriolets.
Das Auge fällt sofort auf den markanten Panamericana-Kühlergrill, den wir ja schon vom GT3-Kundensport-Rennwagen kennen. Die 15 verchromten, senkrecht gestellten Streben sehen toll aus, zwei Elektromotoren öffnen und verschließen zudem die Lufteinlässe in der Frontschürze. Der GT C katapultiert sich und seine Begleiter in 3,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 316 km/h. Kein Wunder, muss eine Pferdestärke doch nur knapp drei Kilo GT beschleunigen.
Zum Anlassen des Vierliter-Doppelturbo-Triebwerks wird der Startknopf in der Mittelkonsole gedrückt. Mit einem gewaltigen V8-Bollern werden die beiden Insassen des Zweisitzers begrüßt und vielleicht auch der eine oder andere Nachbar geweckt. Der rennsportliche Sound kommt aus den beiden verchromten, parallelogrammförmigen Endrohren des Auspuffs. Schon macht sich bei uns gasfußzuckendes Ganzkörpergänsehautgefühl breit. Aber wo steckt eigentlich der Gangwählhebel? Der wurde ergonomisch so unsinnig weit hinten zwischen den Sitzen positioniert, dass man nach kurzem Stutzen fast schon lachen muss, denn an der eigentlich gedachten Stelle findet man nun zwei ziemlich große Cupholder - der zahlungskräftigen und -willigen US-Kundschaft sei Dank.
Wir starten also nicht nur vor Freude breitgrinsend den Boliden. Dank des Front-Mittelmotors mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe in Transaxle-Bauweise ist die Gewichtsverteilung schön ausgeglichen, nahezu perfekte 47 zu 53 (vorn/hinten). Das sorgt vor allem in schnell gefahrenen Kurven für extrem viel Fahrspaß, da auch die hervorragend ausgeformten Sportledersitze einen immer schön in Position halten. Und auch bei äußerst schnell gefahrenen, kurvenreichen Strecken zeigt das heckgetriebene GT C Cabrio keinerlei Schwächen, denn nur hier gibt es die aktive Hinterachslenkung, die beim normalen GT Cabrio auch nicht für Geld und gute Worte zu haben ist. Dank des serienmäßigen und sauber schaltenden Getriebes mit klangoptimierender Zwischengasfunktion, sowie zahlreichen, aber aufpreispflichtigen Fahrerassistenzsystemen ( von 535 bis 1.047 Euro), sowie Rückfahrkamera (476 Euro), Parkhilfe (833 Euro) & Co. kann man sich mit voller Freude auf die nahezu perfekte, elektromechanische Sport-Parameterlenkung konzentrieren.
Trotz aller Sportlichkeit können der PS-Giganten aber auch im Alltag bewegt werden. Der Kofferraum ist zwar mit 165 Litern selbstredend viel zu klein für längere Reisen, aber für den Wochenendtrip zu zweit mit jeweils einer kleinen Tasche sollte es schon reichen.
Mercedes AMG GT Roadster - Technische Daten:
Zweisitziges, zweitüriges Cabrio, Länge: 4,55 Meter, Breite: 2,08 Meter, Höhe: 1,26 Meter, Radstand: 2,63 Meter, Kofferraumvolumen: 165 Liter
Antriebe:
AMG GT Roadster: V8-4,0-Liter-Biturbo-Benziner, 350 kW/476 PS, maximales Drehmoment: 630 Nm bei 1.700 U/min, 0-100 km/h: 4,0 s, Vmax: 302 km/h, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Durchschnittsverbrauch: 9,4 Liter, CO2-Ausstoß: 219 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Preis: ab 129.180 Euro
AMG GT C Roadster: V8-4,0-Liter-Biturbo-Benziner, 410 kW/557 PS, maximales Drehmoment: 680 Nm bei 1.900 U/min, 0-100 km/h: 3,7 s, Vmax: 316 km/h, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Durchschnittsverbrauch: 11,4 Liter, CO2-Ausstoß: 259 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: G, Preis: ab 160.650 Euro
Kurzcharakteristik:
Warum: Gänsehaut und Dauergrinsen, auch noch nach dem Aussteigen
Warum nicht: zu groß und zu schwer für einen echten Roadster
Was sonst: Oben-ohne-Versionen vom 911 Turbo, Audi R8, Jaguar F-Type
Wann kommt er: 28. April
Was kommt noch: die AMG-GT-Familie wächst weiter, auch ein Viertürer kommt
Dieser Artikel aus der Kategorie AUTOMOBIL wurde von Wolfgang Wieland/SP-X am 30.03.2017, 10:04 Uhr veröffentlicht.
