MOTOR-EXCLUSIVE

Michael Kirchberger - 1. Februar 2017, 13:21 Uhr AUTOMOBIL

Keiner für alle: Der Honda Civic in seiner zehnten Neuauflage

Geprägt von Wachstum kommt die seit 1972 nunmehr zehnte Generation des Civic am 18. März zu den deutschen Honda-Händlern. In nahezu allen Dimensionen hat die fünftürige Schrägheckversion zugelegt, kratzt damit an der Grenze zur nächsthöheren Klasse. Mit umfangreichem Angebot an Assistenten und kräftigen Motoren startet der Civic bei 19.990 Euro.

Geprägt von Wachstum kommt die seit 1972 nunmehr zehnte Generation des Civic am 18. März zu den deutschen Honda-Händlern. In nahezu allen Dimensionen hat die fünftürige Schrägheckversion zugelegt, kratzt damit an der Grenze zur nächsthöheren Klasse. Mit umfangreichem Angebot an Assistenten und kräftigen Motoren startet der Civic bei 19.990 Euro.

Die Schlagzahl bei Honda ist hoch: Zehn Generationen in 45 Jahren, das bedeutet im Durchschnitt alle fünf Jahre einen Modellwechsel, was Kunden vor allem in den asiatischen und amerikanischen Märkten goutieren. Doch auch bei uns verschrecken die schnellen Wechsel den Käufer nicht, gut ein Viertel der 25.000 in Deutschland abgesetzten Hondas gehörten zur Civic-Baureihe, der Zuwachs der Marke lag 2016 bei fast 20 Prozent. Dazu sollen die Schrägheck-Limousine und später der beinahe hübscher auftretende Viertürer weiter beitragen.

Die veränderten Proportionen bescheren dem Civic mehr Statur. In der Höhe hat er zwei Zentimeter verloren, die Breite dagegen hat um drei Zentimeter gewonnen. Radstand und Länge haben um fast einen Zentimeter auf 2,70 Meter und um 16 Zentimeter auf 4,52 Meter zugenommen. Das bringt mehr Platz vor allem für die Passagiere im Fond und ein ordentliches Kofferraumvolumen. 478 Liter passen ins Gepäckabteil, ein Liter mehr als bisher. Und wer die Rücksitze umklappt, steigert das Fassungsvermögen des Laderaums auf bis zu 1.267 Liter, je nach Ausstattungs-Version und Stellung der Sitze.

Formal bewegt sich der neue Civic auf einem schmalen Grat. Aggressives Design prägt die Front, vor allem aber das Heck wirkt arg zerklüftet. Und bei Honda liegt die Zukunft vorne, der Blick zurück wird nicht gepflegt, und so versperrt ein quer über die Heckscheibe verlaufender Spoiler die Sicht nach hinten. Wer sich auf dem nun 3,5 Zentimeter niedriger positionierten Fahrersitz hinter dem Lenkrad eingefädelt hat, muss sich sortieren. Oder vielmehr die variantenreichen Informationen, die das elektronische Cockpit vermittelt. Quasi analog wird die Drehzahl dargestellt, die Geschwindigkeit stets digital.

Immer schon will Honda fahraktive Autos anbieten, dies sei beim neuen Civic eines der vordringlichsten Ziele gewesen, sagt Ko Yamamoto vom europäischen Entwicklungsteam in Offenbach. Lenkung und Fahrwerk beweisen den Erfolg der Mühen, der Civic lässt sich mit beeindruckender Präzision um die Kurven fahren, kaum eine Korrektur ist notwendig, wenn der gewünschte Kurs erst einmal eingeschlagen ist. Die feinfühlige Federung bringt die gewünschte Ruhe ins Fahrverhalten, eine neue Hinterachse mit Mehrlenkeraufhängung der Räder trägt ebenso wie die optimierte Gewichtsverteilung von 69 zu 31 Prozent zwischen Vorder- und Hinterrädern spürbar dazu bei. Die Bremsen begeistern ebenso mit gutem Ansprechverhalten und feiner Dosierbarkeit, das Wachstum der Karosserie hat nicht zum Verlust von Agilität geführt, das Gegenteil ist dank einer Gewichtseinsparung von 16 Kilogramm der Fall.

Zwei Benzinmotoren finden sich im Programm. Die Dreizylinder-Turbomaschine mit einem Liter Hubraum leistet 95 kW/129 PS und liefert 200 Nm Drehmoment von 1.500 bis 5.000 Umdrehungen in der Minute. Das ergibt eine gute Durchzugskraft, aber kein angenehmes Arbeitsgeräusch. Der Motor nörgelt und brummt wie Yogi-Bär nach dem Winterschlaf, Vibrationen sind im außerdem nicht fremd. Dafür macht er den Civic bis zu 203 km/h schnell und treibt ihn in 10,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Normverbrauch liegt bei 4,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer in Verbindung mit dem serienmäßigen, manuell geschalteten Sechsganggetriebe. Wer sich durch die Zuzahlung von 1.300 Euro für das stufenlose Automatikgetriebe CVT entscheidet, kommt nach Norm mit nur 4,7 Liter 100 Kilometer weit. Beim Standardsprint bringt der Automat einen Zeitvorteil von 0,1 Sekunden, obwohl das Drehmoment seinetwegen um 20 Nm zurückgenommen wird. Das Spitzentempo sinkt unterdessen auf 200 km/h.

Der zweite Benziner arbeitet mit vier Zylindern und holt ebenfalls turboaufgeladen aus 1,5 Liter Hubraum 134 kW/182 PS und 240 Nm maximales Drehmoment. 5,8 Liter Treibstoff verbraucht er nach Norm auf 100 Kilometer, anders als beim Dreizylinder führt die Automatik hier zu einem Mehrverbrauch von 0,3 Liter, die Höchstgeschwindigkeit sinkt von 220 km/h auf 200 km/h, die Beschleunigung bleibt mit 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h identisch. Auch hier wird das Spitzendrehmoment beim CVT-Einsatz um 20 Nm auf 220 Nm abgesenkt.

Die Laufruhe ist hier wesentlich ausgeprägter als beim dreitöpfigen Motor, die Elastizität ebenfalls. Drehfreudig und mit sportlichem Klang verleiht er dem Civic jene vielbeschworene Agilität, die der Honda-Kompaktklasse schon in der Vergangenheit eine Alleinstellung verliehen hat. In der Preisliste steht der Vierzylinder für wenigstens 27.960 Euro als Ausstattungsniveau Sport, bei dem der Motor per Startknopf angelassen wird und für deren Plus-Version eine adaptive Dämpferregelung zum Standard gehört.

Die Preise lesen sich zunächst als durchaus anspruchsvoll. Aber: Der Civic tritt schon als Basismodell mit einer umfangreichen Ausstattung an. Nicht nur die Komfortansprüche werden grundsätzlich mit elektrischen Fensterhebern, einer cleveren, sich quer zur Fahrrichtung spannenden Gepäckraumabdeckung oder einer Mittelarmlehne bedient, auch die Sicherheits-Assistenten gehören dazu. So zählen etwa Spurüberwachung, Notbremsfunktion, Fernlicht-Assistent und Abstandstempomat zur Grundausstattung.

Der Civic wird polarisieren, was einer Marke wie Honda durchaus gut zu Gesicht steht. Er ist kein Allerweltsauto, obwohl er erstmals seit der dritten Generation wieder in allen Märkten mit einheitlicher Gestalt verkauft wird. Die Limousine wird in Deutschland im September antreten, dann startet auch die schärfste Civic-Version, der Type-R. Einen Kombi wird es künftig nicht mehr geben, die jetzige Version wird noch bis zum Spätsommer 2017 angeboten. Auch ein Diesel ist in Vorbereitung, auf den müssen sich Freunde des Selbstzünders allerdings noch bis Januar 2018 gedulden.

Michael Kirchberger/mid

Technische Daten:
Fünftüriger Kompaktwagen, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Meter: 4,52/1,80 (2,01 mit Spiegeln)/1,43/2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 420 bis 1.209 l, Leergewicht: 1.229 kg, max. Zuladung: 416 kg, Tankinhalt: 46 l.
Motor: Dreizylinder-Reihenturbobenziner mit 1,0 Liter Hubraum, max. Leistung: 95 kW/129 PS bei 5.500/min, manuelles 6-Gang-Getriebe, max. Drehmoment: 200 Nm bei 1.500/min, 0-100 km/h: 10,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h, Normverbrauch: 4,8 l Benzin/100 km, CO2-Emission: 110 g/km, Preis: ab 19.990 Euro.

Dieser Artikel aus der Kategorie AUTOMOBIL wurde von Michael Kirchberger am 01.02.2017, 13:21 Uhr veröffentlicht.