Lars Wallerang - 30. Januar 2017, 14:40 Uhr AUTOMOBIL
Volvo S90 zwischen Basis und Gipfel
Für die große Volvo-Limousine S90 gibt es eine neue Einstiegs-Motorisierung: den Diesel D3 mit 110 kW/150 PS. Beim Vergleich mit dem Top-Benziner T6 hinkt der Basis-Selbstzünder freilich hinterher, erweist sich aber dennoch als souveräne Motorisierung auch auf verschneiten Serpentinen.
Das Herz des Antriebs ist beim D3 ein Motor mit zwei Liter Hubraum und vier Zylindern. Und damit unterscheidet sich der Motor hinsichtlich Größe und Zylinderzahl nicht von den stärkeren Brüdern einschließlich der Spitzen-Aggregate D6 und T6. Sogar für das große SUV XC90 gibt es ja keinen größeren Motor, seitdem sich die Schweden von ihren Fünf- und Sechszylindern komplett verabschiedet haben.
Volvo baut den D3 in die große Limousine vor allem für Firmenflotten aber auch den internationalen Markt ein. Deutsche Privatkunden würden vermehrt zu den stärker motorisierten Varianten greifen, sagt Unternehmenssprecher Olaf Meidt. Aber schon in den Niederlanden oder Belgien sehe die Sache anders aus. Kein Wunder: Dienstfahrzeuge werden nicht des Fahrspaßes wiegen angeschafft, und jenseits der deutschen Grenze herrschen strenge Tempolimits. Doch täte man dem Basis-Diesel Unrecht, würde man ihn zur lahmen Spaßbremse abstempeln.
In knapp zehn Sekunden spurtet der geräumige Viertürer von 0 auf 100 km/h und erweist sich im unteren Drehzahlbereich als erfreulich munter. Jenseits der 3.000 Umdrehungen pro Minute geht dem D3 dann aber etwas die Luft aus, und bei starken Steigungen muss doch häufig in den zweiten Gang zurück geschaltet werden. Der Diesel mit Mono-Turbolader lässt im Alltag aber keine großen Wünsche an die Fahrleistungen offen. Und dass er maximal Tempo 205 erreicht, macht ihn auch auf deutschen Autobahnen zum Aspiranten für die linke Spur.
Beim Gipfelsturm ist der D3 natürlich dem T6 unterlegen, wie jetzt der unmittelbare Vergleich zeigt. Der Volvo S90 T6 mit Allradantrieb AWD ist das sportliche Sahnestück im schwedischen Stall und bereitet beim Fahren deutlich mehr Vergnügen. Serienmäßig hat er die Achtgang-Automatik "Geartronic" an Bord und nutzt neben der Turbo-Aufladung noch einen Kompressor, der das Letzte aus dem 2,0-Liter-Benzinmotor herauskitzelt. Vom Fahrwerk her unterscheidet sich die Nobel-Limousine in den verschiedenen Ausführungen kaum. Bei den jüngsten Wintertestfahrten im Salzburger Land liefern sich die Modelle ein würdiges Kopf-an-Kopf-Rennen.
Auf schneebedeckten Straßen kommt der Allradler T6 mühelos voran und bleibt auch in Kurven stabil. Ab einer kritischen Tempo-Grenze von etwa 30 km/h bricht die lange Limousine hier aber aus und bei sehr viel Schwung gibt es dann auch kein Halten mehr. Da aber der Bremsweg auf Schnee relativ kurz ist, kann - zumindest auf einer gesicherten Teststrecke - erst kurz vor der Kurve abgebremst werden. Im winterlichen Straßenverkehr sollte man das freilich nicht ausprobieren. Doch auch der schwächere Fronttriebler D3 ist hinreichend gerüstet für die winterliche Ausfahrt. Auf den mit reichlich Schnee, Schneematsch und Eis bedeckten Alpenstraßen zeigt die Diesel-Limousine keine Anzeichen von unplanmäßigem Kontrollverlust und meistert Anfahrten am Berg und in Kurven vorbildlich. In beiden Varianten kann der Fahrer also mit dem guten Gefühl unterwegs sein, dass das Fahrzeug bei angepasster Fahrweise souverän durch den Winter kommt.
Die Qualitäten des T6 kommen aber erst auf schneefreien Straßen richtig zur Geltung. Die Beschleunigungswerte sind besser als bei den früheren Sechszylindern, und auch die hohe Laufruhe erinnert an die angenehmen Eigenarten größerer Motoren. Die Leistung von 235 kW/320 PS ermöglicht es, in 5,9 Sekunden Tempo 100 zu erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Unterdessen ist der sportliche Benzinmotor kein Rabauke. Man kann ihn mit sanftem Gasfuß fahren und den Motor wie ein Schmusekätzchen schnurren lassen. Beim Kickdown faucht das Aggregat aber wie ein kleines Raubtier. Für bullige Geräusche ist der Motor allerdings zu klein. Für solche Soundeffekte sind denn doch deutsche, britische und italienische Edelmarken prädestiniert.
Beim Preiskapitel hat der Diesel dann natürlich die Nase deutlich vorn. Knapp 16.500 Euro liegen zwischen dem D3 ab 41.500 Euro und dem T6 mit Allrad. Und auch in Sachen Verbrauch ist der Unterschied schon auf dem Papier sehr deutlich: 4,4 Liter Diesel sind es laut Norm beim Selbstzünder auf 100 Kilometer und 7,2 Liter Super beim Benziner. Welcher Schwede es letztlich sein soll, muss natürlich jeder selbst entscheiden - der Vernünftige oder der Top-Athlet. Beide machen ihren Job gut.
Lars Wallerang / mid
Technische Daten Volvo S90:
Viertürige Limousine, Länge/Breite (mit Außenspiegeln)/Höhe/Radstand in Metern: 4,96/2,02/1,44, Kofferraumvolumen: 500 l., Tankinhalt: 60 l; Wendekreis (je nach Reifengröße): 11,8 bis 12,2 m.
Antrieb:
T6 AWD: Vierzylinder-Benzinmotor (vorn quer) mit Kompressor und Monoturbolader (Wastegate), Hubraum: 1.969 ccm, Leistung: 235 kW/320 PS bei 5.700/min, max. Drehmoment: 400 Nm bei 2.200-5.400/min, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, 0 - 100 km/h: 5,9 s, Durchschnittsverbrauch: 7,2l /100 km, CO2-Ausstoß: 165 g/km, Achtstufen-Automatik, Allradantrieb, Leergewicht: 1.890 kg, Preis: ab 58.050 Euro.
D3: Vierzylinder-Common-Rail-Turbodiesel, Hubraum: 1.969 ccm, Leistung: 110 kW/150 PS bei 3.750/min, max. Drehmoment: 320 Nm von 1.750-3.000/min, Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h, 0-100 km/h: 9,9 s, Verbrauch: 4,4 l auf 100 km, CO2-Emissionen: 115 g/km, Sechsgang-Schaltgetriebe, Frontantrieb, Leergewicht: 1.770 kg, Preis: ab 41.500 Euro.
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