Ralf Loweg - 7. November 2016, 14:13 Uhr MOTORSPORT
Rennwagen-Riesen: Mercedes, Polo und Porsche
Erst Mercedes, dann Volkswagen und jetzt auch noch Porsche: Die deutschen Autohersteller bestimmen das Tempo in den wichtigsten Rennserien der Welt. Was steckt hinter diesem Erfolg?
Erst Mercedes, dann Volkswagen und jetzt auch noch Porsche: Die deutschen Autohersteller bestimmen das Tempo in den wichtigsten Rennserien der Welt. Ihre Erfolge feiern sie meist schon lange vor dem offiziellen Saisonende. Die Gegner stehen mit leeren Händen daneben und bekunden anerkennend ihren Respekt - egal, ob aus Italien (Ferrari), Korea (Hyundai) oder Japan (Toyota).
Die Mercedes-Silberpfeile stehen in der Formel 1 zum dritten Mal in Folge als Konstrukteurs-Weltmeister fest. Offen ist lediglich der Fahrer-Titel. Doch auch der geht an einen Boliden mit Stern. Nico Rosberg und Lewis Hamilton machen diese Titeljagd auch 2016 zu einem Privatduell. Nach zwei Hamilton-Jahren sieht es diesmal so aus, als sollte der WM-Titel tatsächlich an einen deutschen Piloten gehen.
In der Rallye-Weltmeisterschaft dominiert VW bereits seit vier Jahren. Erst 2013 kehrten die Wolfsburger auf die ganz große Motorsport-Bühne zurück - und waren vom Start weg mit dem Polo R WRC nahezu unschlagbar. Der Franzose Sebastien Ogier sorgte darüber hinaus dafür, dass auch der Fahrer-Titel jedes Mal an Volkswagen ging. Mehr kann man sicherlich nicht erreichen. Vielleicht mag das mit ein Grund dafür sein, dass VW eine Vollbremsung macht und nach dem WM-Finale in Australien (18. bis 20. November) aus der Rallye-WM aussteigt. Verfolger Hyundai und Rückkehrer Toyota verlieren damit überraschend ihren stärksten Widersacher. Mal schauen, wer vom VW-Rückzug profitieren kann und sich die nächste Rallye-Krone aufsetzt.
Das deutsche Happy End im internationalen Motorsport hat jetzt Porsche perfekt gemacht - und das ebenfalls vorzeitig. Die Schwaben sicherten sich beim vorletzten Saisonrennen der hart umkämpften Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Shanghai wie 2015 erneut den wertvollen Hersteller-Titel. Dafür sorgte das Fahrer-Trio Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber mit einem eindrucksvollen Sieg beim prestigeträchtigen 6-Stunden-Rennen im Reich der Mitte.
Mit nun insgesamt 301 Zählern auf dem Konto liegt Porsche uneinholbar vor Audi (222) und Toyota (207). Siege auf dem wichtigen chinesischen Automarkt zählen für jeden Hersteller praktisch doppelt. Gleich 186 von den insgesamt 195 Runden lagen die Porsche-Piloten mit dem Le-Mans-Prototyp 919 Hybrid an der Spitze. Deutlicher kann man ein Rennen wohl kaum dominieren. Vor allem aber ist es auch für den ehemaligen Formel-1-Fahrer Mark Webber ein toller Karriere-Abschluss, denn der Australier hängt seinen Helm nach dieser Saison an den Nagel.
Der zweite 919 Hybrid mit den Fahrern Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb landete auf Rang vier. Dazwischen schoben sich die beiden Toyota-Teams auf die Plätze zwei und drei. Damit halten die Japaner zumindest in der Fahrer-Weltmeisterschaft die Entscheidung bis zum Saisonfinale in der Wüste Bahrains (19. November) offen. Die Porsche-Piloten Jani, Lieb und Dumas haben mit 152 Punkten allerdings ein recht gutes Polster auf das Toyota-Team Sarrazin/Conway/Kobayashi (135). Maximal sind in Bahrain noch 26 Punkte zu holen.
Porsche hatte Michael Steiner, Vorstand für Forschung und Entwicklung, zur Jubelfeier nach Shanghai geschickt. Und der war natürlich mächtig stolz. "Der zweite WM-Titel für Porsche bestätigt das mutige Konzept des 919 Hybrid", sagte Steiner. Der Prototyp reiht sich damit ein in die Liste bedeutsamer Porsche-Rennwagen: Ob 718 RS, 904, 917 oder 956 - sie alle waren ihrer Zeit voraus, heißt es in Stuttgart. "Sie haben dadurch Rennsportgeschichte geschrieben und vor allem die Serienentwicklung beflügelt. Und dies gilt auch für den 919 Hybrid. Ich bin stolz auf die ganze Mannschaft", betont Vorstand Steiner. Für Fritz Enzinger, Leiter LMP1, sei dieser große Erfolg nur durch eine große Teamleistung möglich gewesen: "Mechaniker, Ingenieure und Fahrer sowie viele weitere Menschen hinter den Kulissen haben hart dafür gekämpft und wurden jetzt dafür belohnt."
Für Porsche ist es eine Erfolgsstory fast wie im Märchen. Der Le-Mans-Prototyp der Klasse 1 (LMP1) debütierte 2014 mit seinem neu entwickelten Antriebskonzept. Seither hat Porsche mit diesem Rennwagen zwei Mal das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen (2015 und 2016) - es sind die Gesamtsiege 17 und 18 für das Unternehmen bei diesem Klassiker. Und 2015, im zweiten Jahr des Werks-Einsatzes, holte Porsche den Hersteller-Titel. Die Fahrer-WM 2015 gewannen Bernhard/Hartley/Webber. Insgesamt stehen 13 Rennsiege und 15 Pole Positions aus 24 Rennen für den 919 Hybrid in der Statistik. Daher stellen sich die Rivalen schon jetzt die bange Frage, wie dieser Rennwagen-Riese 2017 zu bremsen ist.
Ralf Loweg
Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Ralf Loweg am 07.11.2016, 14:13 Uhr veröffentlicht.
