MOTOR-EXCLUSIVE

Karin Linke - 4. November 2016, 14:02 Uhr SERVICE

Geschäftsführer auf dem Schleudersitz

In der Automobilindustrie bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. E-Autos, Mobilitätskonzepte oder neue hierarchielose Schwarm-Organisationsformen: Nicht nur einfache Mitarbeiter, auch die Geschäftsführer leben oft in großer Unsicherheit. Die berufliche Flughöhe und die damit verbundene persönliche Absturzgefahr sind hoch.


In der Automobilindustrie bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. E-Autos, Mobilitätskonzepte oder neue hierarchielose Schwarm-Organisationsformen: Nicht nur einfache Mitarbeiter, auch die Geschäftsführer leben oft in großer Unsicherheit. Die berufliche Flughöhe und die damit verbundene persönliche Absturzgefahr sind hoch. Jeder dritte Geschäftsführer beschäftigt sich - mehr oder weniger freiwillig - mit dem Gedanken an einen Jobwechsel.

"Manager-Bashing ist ja zu einem Volkssport geworden", sagt Frank Adensam, einer der erfahrensten Executive Placement-Berater im deutschsprachigen Raum. Manager würden verantwortungslos von einer lukrativen Position zur nächsten hüpfen, dabei Schaden anrichten und am Ende auch noch riesige Abfindungen kassieren, so das gängige Vorurteil. Doch dabei werde vor allem eines übersehen: "Ein Geschäftsführer macht einen riskanten Job - für die Firma und für sich selbst".

Abgesehen von der persönlichen Haftung aus dem operativen Geschäft, die GmbH-Geschäftsführer und Vorstände ohnehin tragen, besteht zusätzlich oft noch eine andere Gefahr: "Leitende Führungskräfte, die ihre Position durch harte Arbeit und schrittweisen Aufstieg durch die Hierarchieebenen in 15 oder 20 Jahren erreichen, haben keine Referenzerfahrung darin, sich auf gleicher Flughöhe auf einen anderen Geschäftsführer-Posten zu bewerben." Wenn sie es dann tun müssten, begehen sie aus Unkenntnis oft gravierende Fehler im Bewerbungsprozess.

Ein schwer lösbares Problem: "Man kann sich als Geschäftsführer kaum überzeugend außerhalb seiner Branche um eine andere Geschäftsleitungsposition bewerben, weil auf der ersten Führungsebene in der Regel einschlägige Branchenerfahrung erwartet wird." Zugleich sei es nur schwer möglich, sich aus ungekündigter Stellung innerhalb der eigenen Branche zu bewerben. "Das fällt im eigenen Haus früher oder später auf", weiß Adensam aus Erfahrung. Solches Verhalten werde als illoyal gewertet. Mit gravierenden Folgen: "Wenn das bekannt wird, schließt man die abwanderungswillige Führungskraft umgehend aus dem internen Kommunikationsfluss zu strategischen Themen aus und startet die Suche nach einem Nachfolger."

Wer sich also nach extern orientiert und aus noch ungekündigter Position bewerben will, kann das schlecht mit offenem Visier tun. Ein möglicher Ausweg: Die wechselwillige Führungskraft beauftragt einen auf solche Fälle spezialisierten Personalberater, erklärt Adensam, der in Mannheim eine entsprechende Agentur betreibt. Das biete unter anderem die Möglichkeit, sich zumindest im ersten Schritt unter dem Schutz einer Treuhandadresse innerhalb der eigenen Branche auf einen Geschäftsführer-Posten zu bewerben.

Diese spezielle Disziplin in der Personalberatung sind die Executive Placement-Berater. Viele Stellensuchende würden den Unterschied zwischen Headhuntern und Executive-Placement-Beratern gar nicht kennen. Und das sei auch nicht erstaunlich, meint Adensam. "Die Branche ist klein. Es gibt in Deutschland nur sehr wenige Executive Placement-Berater." Geschäftsführer kennen aus ihrer beruflichen Perspektive als Auftraggeber in der Regel nur Personalberater, die im Unternehmensauftrag in der Personalbeschaffung arbeiten, also die klassischen Headhunter.

Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass eine Führungskraft sich in eigener Sache an einen oder mehrere Headhunter wendet. Nur leider versuchen dann manche, mit dem zur Verfügung gestellten Lebenslauf Unternehmensaufträge für sich zu akquirieren. Das bunte Völkchen der Personalberater verfolgt höchst unterschiedliche Geschäftsmodelle, die von außen nicht immer leicht erkennbar sind. Auch der Anspruch an Seriosität und Prozesskompetenz differiert in dieser Branche erheblich. Es kam durchaus schon häufiger vor, dass die Bewerbungsmappe eines Geschäftsführers mit Abwanderungsgedanken auf dem Schreibtisch des eigenen Gesellschafters zu liegen kam. Ein klassisches Eigentor.

"Einige Headhunter haben sich zu regelrechten CV-Tradern entwickelt", warnt Adensam. Was auf den Laien zunächst harmlos wirkt, lässt beim Executive-Placement-Berater die Alarmglocken schrillen. "Ich habe schon mehrere Kunden gehabt, die durch das Vorgehen solcher CV-Trader erhebliche Probleme in ihrer Bewerbungskampagne bekamen", erzählt Adensam. "Man hat einfach keine Kontrolle mehr über den eigenen Lebenslauf."

Deshalb empfiehlt es sich, im Zweifel auf eigene Rechnung einen erfahrenen Executive Placement Berater einzuschalten, der die Monate der beruflichen Veränderung professionell begleitet. Diese Leistungen sind in Anbetracht der eingangs erwähnten Problemstellung sicherlich genauso empfehlenswert wie im Rechtsstreit einen Anwalt oder bei gesundheitlichen Zipperlein einen Arzt zu konsultieren.

Dieser Artikel aus der Kategorie SERVICE wurde von Karin Linke am 04.11.2016, 14:02 Uhr veröffentlicht.