Michael Kirchberger - 3. November 2016, 11:17 Uhr SERVICE
Industriekultur: Staunen in der Rhein-Main-Region
Die Initiative Kulturregion Frankfurt Rhein-Main hat ihr Winterprogramm vorgestellt. Auf den Spuren der Industrie-Kultur lässt sich's im Süden Hessens vortrefflich wandeln und staunen.
Frankfurt? Rhein-Main? Da denkt jeder an schwindelnd hohe Banken-Türme, allenfalls noch an Deutschlands größten Flughafen oder die Automesse IAA. Nur wenige kommen auf die Idee, dass in Frankfurt am Main einst Fahr- und Motorräder, ja sogar Autos hergestellt wurden. Oder dass in der Region die Maschinenfabrik MAN eigens für den Bau der Eisenbahnbrücken über Rhein und Main das größte Filialwerk außerhalb Nürnbergs errichtete.
Ganz zu schweigen von Opel in Rüsselsheim und den vielen anderen namhaften Marken, die ihren Ursprung in Rhein-Main haben. Aber die Unternehmen haben sich erneuert. Sind umgezogen in neue, moderne und effizientere Produktionsstätten. Und so schlummern die alten Werkhallen friedlich und geraten trotz ihrer teils beeindruckenden Gründerzeit- oder Jugendstil-Architektur zusehends in Vergessenheit.
Um das industrielle Kulturerbe - viele der Gebäude und Anlagen stehen unter Denkmalschutz - in Erinnerung zu rufen, wurde 2005 die Initiative Kulturregion Frankfurt - Rhein-Main gegründet, zu der sich bis heute 45 Städte und Gemeinden entlang der beiden Flüsse zusammengeschlossen haben. Die laden sehr aktiv zu Ausflügen ein, und dazu, die schlafenden Schönheiten einstiger Industrieanlagen zu besichtigen, und das nicht nur von außen.
Etwa das 1909 im Jugendstil erbaute Wasserwerk in Hattersheim oder das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende, ehemalige Opel Hauptportal mit dem daran anschließenden Adamshof in Rüsselsheim. Die ehemalige Schokoladenfabrik von Sarotti in Hattersheim steht ebenso im Ausflugsprogramm der Industriekultur-Initiative wie die Hallen der ehemaligen Adler-Werke in Frankfurt, wo nach Motorrädern und Automobilen noch bis 1998 Büromaschinen gebaut wurden, oder das Horex-Museum in Bad Homburg, das an die verblichene, 1923 gegründete Motorradmarke erinnert. Gerne reisen die Kulturkundler mit dem Schiff auf dem Main. An dessen Ufern bei Großkrotzenburg steht auch das Kraftwerk Staudinger, dessen teils stillgelegte Blöcke in andächtiger Ruhe von der Energiegewinnung in den Zeiten vor einem Umweltbewusstsein künden.
Lehrreich und überraschend sind die Touren durch die Industriekultur allemal. Wer weiß schon, dass MAN in Gustavsburg für die Angestellten Bungalows aus Stahl errichtet hatte? Darin fiel es schwer, einen Nagel in die Wand zu schlagen. Oder dass der Sarotti-Mohr, das frühere Markenzeichen der Chocolatiers, längst dem Sarotti-Magier gewichen ist. So viel politische Korrektheit muss heute eben sein.
Auch das Museum Rüsselsheim ist mit seiner mehrfach ausgezeichneten Ausstellung über die Industrialisierung in Deutschland ein fester Programmpunkt. Und wer mit der Eisenbahn unterwegs ist, wird kaum die Gelegenheit haben, die zahlreichen Jugendstil-Verzierungen an der Gustavsburger Brücke zu entdecken. Kunst am Zweckbau gab es schon vor mehr als 150 Jahren. Zu jeder Jahreszeit geht die Initiative auf Reisen, das Programm ist vielseitig und kurzweilig. Nähere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es auf der Internet-Seite der Initiative (krfrm.de).
Michael Kirchberger
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