Ralf Loweg - 17. Oktober 2016, 15:06 Uhr MOTORSPORT
Porsches "Känguru" hüpft aus dem Rennauto
Ein schneller Rennwagen allein garantiert im Motorsport noch lange keinen Erfolg. Wenn der falsche Fahrer im Cockpit sitzt, hilft auch die Kunst der Ingenieure nichts. Deshalb muss jeder Autohersteller bei der Wahl seiner rasenden Angestellten ein goldenes Händchen haben. Soll heißen: Nur wer sich den richtigen Rennfahrer zum richtigen Zeitpunkt angelt, der kämpft auch um Siege.
Ein schneller Rennwagen allein garantiert im Motorsport noch lange keinen Erfolg. Wenn der falsche Fahrer im Cockpit sitzt, hilft auch die Kunst der Ingenieure nichts. Deshalb muss jeder Autohersteller bei der Wahl seiner rasenden Angestellten ein goldenes Händchen haben. Soll heißen: Nur wer sich den richtigen Rennfahrer zum richtigen Zeitpunkt angelt, der kämpft auch um Siege.
Und gute Rennfahrer sollten viel mehr können, als nur schnell im Kreis zu fahren. Sie müssen auch so viel technisches Verständnis mitbringen, dass sie die Ingenieure bei der ständigen Weiterentwicklung des Rennwagens unterstützen können. Denn ein echtes Siegerauto baut niemand über Nacht. Passende Beispiele dafür gibt es vor allem aus der "Königsklasse" des Motorsports genug: Erst Michael Schumacher brachte Ferrari seinerzeit in der Formel 1 in die Erfolgsspur zurück. Fünf seiner sieben WM-Titel holte er für die ruhmreiche "Scuderia" - und das sogar in Serie. Red Bull wurde erst mit Sebastian Vettel von einer Spaß-Truppe zum anerkannten Erfolgsteam, das belegen eindrucksvoll die vier WM-Titel in Folge. Und jetzt dominieren die Mercedes-Silberpfeile mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg.
Ein goldenes Händchen bei der Fahrer-Wahl hat auch Porsche. Als die Schwaben 2014 auf die große Motorsport-Bühne zurückkehrten, hatten sie einen Masterplan in der Tasche. Mit dem 919 Hybrid wollten sie Dauersieger Audi von der Überholspur drängen. Jetzt musste nur noch ein erfahrener und prominenter Rennfahrer gefunden werden. Porsche entschied sich für den Australier Mark Webber, der nach vielen Jahren in der Formel 1 eine neue Herausforderung suchte. Und das rasende "Känguru" hüpfte mit Porsche von einem Erfolg zum nächsten: Der Sportwagen-Hersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen gewann 2015 und 2016 die 24 Stunden von Le Mans sowie 2015 mit Mark Webber die Langstrecken-Weltmeisterschaft.
Die Mission ist erfüllt und deshalb hängt Mark Webber seinen Helm jetzt an den Nagel. Die letzte Ausfahrt als Rennfahrer absolviert er am 19. November 2016 beim 6-Stunden-Rennen in der Wüste Bahrains. Doch keine Sorge: Der 40-Jährige wird danach nicht im australischen Busch verschwinden. Mark Webber bleibt dem Motorsport auch nach dem Karriere-Ende erhalten. Und er bleibt Porsche treu: Der "Aussie", der es in seiner Laufbahn auf immerhin neun Formel-1-Siege brachte, wird den Autobauer als Repräsentant bei Veranstaltungen vertreten und seine Erfahrung als Berater für die Motorsportprogramme des Stuttgarter Sportwagenherstellers einbringen, heißt es.
Und welche Aufgaben übernimmt Mark Webber künftig bei Porsche? Der Australier soll für die Marke neue Motorsport-Talente entdecken und darüber hinaus bei Fahrertrainings für angehende Profis zur Verfügung stehen. Er ist neben der Rallye-Legende Walter Röhrl (69) der zweite Repräsentant des Unternehmens. "Mark Webber steht für all das, was Porsche ausmacht: Sportsgeist, Ausdauer, Nahbarkeit und konzentriertes Arbeiten am Erfolg. Er ist voller Tatendrang und immer ein aufmerksamer Zuhörer", sagt Porsche-Chef Oliver Blume und bedankt sich bei dem Australier: "Ich freue mich, dass er auch in Zukunft Porsche eng verbunden bleibt."
Mark Webber selbst verabschiedet sich mit einer Liebeserklärung: "Porsche ist die Marke, die ich immer am meisten mochte, die am besten zu mir passt." Schon als Teenager fuhr er den geliehenen 911er eines Freundes, und sein erster eigener Porsche war ein Turbo. Heute gehören zu seiner Sammlung ein 918 Spyder, ein 911 R, ein 911 GT3 RS, ein 911 GT2 RS, ein 911 GT3 RS 4.0, ein 356 Cabriolet von 1954 und ein 2.7 Carrera von 1974. Aber warum hört er überhaupt auf mit dem Rennsport? Er wolle gehen, wenn es am schönsten ist, meint der Australier. Ein paar Tränen wird er beim Abschied ganz sicher verdrücken. "Es wird sich seltsam anfühlen, in Bahrain zum letzten Mal in das Rennauto zu steigen. Ich will jeden Moment der verbleibenden WM-Läufe intensiv genießen", sagt der Australier.
Danach dürfte er auch etwas mehr Zeit für seine langjährige Lebensgefährtin Ann haben, die er vor wenigen Monaten geheiratet hat. Vorher möchte er aber noch zusammen mit Porsche erneut die Titel in der Hersteller- und Fahrerwertung in der Langstrecken-WM gewinnen. In beiden WM-Tabellen liegen die Schwaben derzeit auf Platz eins. Sollte das ersehnte Happy End gelingen, dann wird das "Känguru" zum letzten Mal wahre Freudensprünge auf dem Podest vollführen.
Ralf Loweg
Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Ralf Loweg am 17.10.2016, 15:06 Uhr veröffentlicht.
