Lars Döhmann - 17. März 2016, 13:43 Uhr SPECIALS
Heiße Luft und kühler Kopf
Sieht lässig aus, nutzt aber nichts: Der Kick mit dem Fuß gegen den Autoreifen ist nur eine vermeintliche Prüfung. So wie nur Bares etwas Wahres ist, müssen bei den Beinen des Autos vor allem die Profiltiefe und der Luftdruck stimmen.
"Bei zu niedrigem Fülldruck wird der Reifengummi stärker bewegt und kann sich zu stark erhitzen. Bei langer Vollgasfahrt, mangelhafter Befüllung und hohen Außentemperaturen kann das zur Überhitzung führen", sagt Klaus Engelhart, der Pressesprecher von Continental. Mit möglicherweise fatalen Folgen: "Die Gummibauteile des Reifens separieren, der Reifen kann platzen und das Fahrzeug unbeherrschbar werden", warnt der Reifenexperte.
Fahrer von neuen Autos erhalten bei zu niedrigem Fülldruck einen Warnhinweis, denn seit dem 1. November 2014 sind Reifendruck-Kontrollsysteme für alle Neuwagen vorgeschrieben.
Vertrauen in diese Technik ist durchaus begründet, egal, ob es ein direkt oder indirekt messendes System ist. Wie so oft im Leben ist Kontrolle aber besser, denn nicht immer sind die Belastungen des Fahrzeugs gleich. Meist ist der Fülldruck nach Angaben der Bedienungsanleitung auf die Mindestwerte eingestellt. Steigen drei Freunde mit ins Auto, müsste im Grunde zunächst die nächste Tankstelle zum Anpassen des Reifendrucks angesteuert werden. Dort ist der Wert entsprechend der Beladung anzupassen. Nur so ist gewährleistet, dass die Reifen optimal funktionieren und etwa eine schnelle Fahrt in den Urlaub zuverlässig absolvieren können.
Apropos Urlaub: Wer zu Ostern noch einmal schnell zum Wintersport oder durch Österreich in den Süden fahren will, sollte nicht nur den Fülldruck der Reifen, sondern auch die Profiltiefe seiner Pneus prüfen. In der Alpenrepublik ist wie in weiteren europäischen und skandinavischen Ländern für Winterreifen eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern vorgeschrieben. Sind die Reifen stärker abgefahren, gelten sie nicht mehr als geeignet. Zu Recht! Bei weniger als vier Millimetern Restprofil können sich die Profilblöcke nicht mehr ausreichend verformen, um sich an den Stellen der feinen Profileinschnitte, der Lamellen, für guten Grip ausreichend zu verformen. Da zeigt die Polizei schnell die rote Karte und empfindliche Bußen drohen.
Wer also ganz sicherheitsbewusst im Oktober 2015 seine noch guten Winterreifen montieren ließ, sollte vor der Oster-Ausfahrt ins Ausland sorgfältig prüfen. Die Grenze von vier Millimetern gilt für die umlaufenden Hauptrillen des Profils. Der Check kann einfach mit einer 2-Euro-Münze erfolgen: Ist der silberfarbene Rand zu sehen, reicht es nicht mehr. Spätestens dann sollten sich Autofahrer mit dem Neukauf von Reifen beschäftigen. Denn wenig später wird es ab einem Restprofil von drei Millimetern nicht nur auf Schnee zu gefährlich, sondern auch, weil bei Regen Aquaplaning droht. Über die besten Reifen informieren sich Verbraucher durch die Tests in Fachzeitschriften: im Frühjahr über Sommerreifen, im Herbst über Winterreifen.
Lars Döhmann
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