MOTOR-EXCLUSIVE

Ralf Schütze - 16. März 2016, 13:19 Uhr SPECIALS

Von RS bis Ranger: Allrad auf allen Wegen bei Ford

Vom Kompaktsportler Focus RS bis zum Lastesel Transit oder Pick-up Ranger: Ford setzt bei bereits acht seiner 17 Baureihen auf intelligenten Allradantrieb. Hintergrund: Handfeste Vorteile in Traktion und Sicherheit und die stetig wachsende Nachfrage nach 4x4-Fahrzeugen.

"Keine Kompromisse": Wenn Ford dieser Maxime folgend bei mittlerweile acht seiner 17 Baureihen auf Allradantrieb setzt, dann hat die Marke keinen geringeren als Rallye-Legende Walter Röhrl auf ihrer Seite. Der Lenkrad-Rastelli wird schließlich immer wieder mit seinem fachkundigen Urteil zitiert: "Alles außer Allrad ist ein Kompromiss." Und so stellt sich Ford mit immer mehr 4x4-Modellen auf die stetig wachsende Nachfrage nach solchen Fahrzeugen ein. Der Allrad-Anteil in Deutschland ist zwischen 2010 und 2015 von 11,1 auf 17,2 deutlich gewachsen. In Relation noch stärker zugenommen hat dieser Aanteil im gleichen Zeitraum speziell bei Ford: von 4,8 auf 7,3 Prozent. Jüngste Allrad-Modelle im Kölner Fuhrpark: Der 350 PS starke Kompakt-Sportler Focus RS sowie der nutzwertorientierte Pick-up Ranger.

Je nach Einsatzzweck sind die Allradsysteme sehr unterschiedlich. Der praktische Ranger ist im Normalbetrieb spritsparend nur mit Heckantrieb unterwegs, der Fahrer kann bei Bedarf den Frontantrieb hinzuschalten und somit Allradantrieb aktivieren - etwa, um sicher und ungehindert durch Matsch oder extremes Gelände zu kommen. Anders der Extremsportler Ford Focus RS: Seine enormen 257 kW/350 PS bringt ein innovatives Allrad-System auf die Straße, um die mögliche Fahrdynamik des kompakten Boliden zu optimieren und den Fahrer in den Genuss präziserer Lenkeigenschaften zu bringen.

Der neue Focus RS gilt als Speerspitze von Fords aktueller Allrad-Offensive. Sein Allradantrieb wurde völlig neu entwickelt. Die Besonderheit: Bis zu 70 Prozent der Antriebskraft gehen an die Hinterachse und fließen dort bei Bedarf bis zu 100 Prozent an nur ein einzelnes Hinterrad. Diese "Torque Vectoring Control" verbessert erheblich das Einlenkverhalten und Handling des Focus RS. Überwacht wird die komplexe Kraftverteilung an der Hinterachse laufend von einem Motorsteuergerät, das 100 Mal pro Sekunde verschiedene Sensordaten analysiert - darunter Lenkwinkel, Läng- und Querbeschleunigung sowie Gaspedalstellung.

Die fahrdynamischen Vorteile des Performance-Allradantriebs im Focus RS: Über 1 g Querbeschleunigung ist ebenso möglich wie kontrolliertes Driften. Unangenehmes Untersteuern, also das Schieben über die Vorderachse zum Kurvenäußeren hin, fällt gleichzeitig weg. Dave Pericak, der Direktor des globalen Ford-Performance-Teams betont: "Das System ermöglicht erstklassige Kurveneigenschaften und ein sicheres Fahrverhalten auch am Limit. Die Behauptung, dass vierradgetriebene Kompaktwagen keinen Spaß machen, haben wir damit eindeutig widerlegt." Der Focus ist das erste RS-Modell mit vier wählbaren Fahrmodi - von "Normal" bis "Drift" und einer Launch Control für den optimalen Sprint in nur 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Völlig andere Anforderungen muss das Allradsystem im Pick-up Ford Ranger erfüllen. Vor allem ist hier der manuell zuschaltbare 4x4-Antrieb darauf ausgelegt, abseits befestigter Straßen ein ungehindertes Fortkommen zu garantieren. Bei bis zu 120 km/h kann der Fahrer neben der dauerhaft angetriebenen Hinterachse die Vorderachse hinzuschalten. Hinzu kommt die elektronisch geregelte Traktionskontrolle TCS. Insgesamt trägt der zuschaltbare Allradantrieb im neuen Ranger dazu bei, dass das Pick-up-Modell im Vergleich zum Vorgänger um bis zu 17 Prozent sparsamer ist.

Auf die jeweilige Baureihe angepasste Allrad-Systeme bietet Ford auch für die SUV-Modelle Kuga und Edge sowie die Pkw-Reihen Mondeo, S-Max und Galaxy an. Bei diesen Modellen verteilt das sogenannte "4WDSystem" die Motorleistung ganz nach Bedarf stufenlos vom reinen Front- bis zum Allradantrieb. Sensoren messen in Intervallen von 16 Millisekunden, ob zwischen Rad und Fahrbahn Schlupf entsteht - das ist rund 20 Mal schneller als ein Augenzwinkern. Weil dabei die Antriebskraft exakt dort hingeschickt wird, wo sie sich momentan am effizientesten einsetzen lässt, sind hier die Verbrauchswerte deutlich günstiger als bei permanenten Systemen.

Traktion und Sicherheit stehen wie beim Pick-up Ranger auch bei den allradgetriebenen Nutzfahrzeugen von Ford im Mittelpunkt. Der Transit verfügt über einen intelligenten Allradantrieb samt "Lock"-Einstellung. Die Sperre sorgt für maximale Traktion unter extremen Bedingungen. Selbst tiefer Sand oder steile Baustellen-Auffahrten verlieren damit jeden Schrecken. Beim Mittelklasse-Modell der Marke schließt sich dank der aktuell zunehmenden Allrad-Nachfrage übrigens ein großer Kreis: Der aktuelle Mondeo wird zum ersten Mal seit rund 20 Jahren wieder mit vier angetriebenen Rädern angeboten.

Ralf Schütze

Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Ralf Schütze am 16.03.2016, 13:19 Uhr veröffentlicht.