Jutta Bernhard - 17. Februar 2016, 13:46 Uhr SPECIALS
Renault Alpine: Märchen, Mythen und Magie in Monaco
Wenn Fürst Albert II. von Monaco höchstpersönlich zur Auto-Inspektion kommt, dann muss schon etwas ganz Außergewöhnliches passiert sein. In der Tat: In seinem kleinen Reich hat Renault jetzt das Rad der Zeit zurückgedreht und gleichzeitig eine neue automobile Ära für den Konzern eingeläutet.
Und dieses Spektakel praktisch vor seiner Haustür wollte sich Fürst Albert II. nicht entgehen lassen. Der Herrscher des kleinen Fürstentums ist bekannt für seine Liebe zum Sport. So war er gleich fünfmal bei Olympischen Winterspielen für sein Land im Zweier-Bob am Start. Und einmal im Jahr überreicht er nach dem Formel-1-Rennen den Sieger-Pokal. Die meisten der Formel-1-Piloten kennt der Fürst sogar persönlich, da sie ihren Wohnsitz in Monaco haben, wie beispielsweise die Mercedes-Stars Lewis Hamilton oder Nico Rosberg.
Und wer weiß: Vielleicht kann Fürst Albert II. in diesem Jahr erstmals wieder einem Renault-Rennfahrer die begehrte Trophäe überreichen. Denn die Franzosen haben das in Finanznot geratene Lotus-Team komplett übernommen und sind 2016 als Werks-Rennstall am Start. Als bislang letzter Renault-Pilot hatte der Spanier Fernando Alonso am 28. Mai 2006 den Monaco-Grand-Prix gewonnen. Für den französischen Autobauer ist es bereits der dritte werksseitige Formel-1-Einsatz nach 1977 bis 1985 und 2001 bis 2009. Die Krönung waren natürlich Fernando Alonsos WM-Titel 2005 und 2006.
Die Strategie der Renault-Bosse ist klar: Sie wollen der Marke ein sportliches Image auf dem höchsten Level verpassen. Dazu gehört das Comeback in der Königsklasse des Motorsports, aber genauso die Wiederbelebung des legendären Alpine. Renault will fortan in der Liga der Sportwagen mitmischen und Marken wie Mercedes und Ferrari auf Augenhöhe begegnen - auch in der Formel 1. Die Vorstellung in Monte Carlo war jedenfalls großes Kino. So standen gleich 88 historische Renault Alpine A110 Spalier - zu dem Zelt, in dem die Sportwagen-Zukunft der Marke schon ungeduldig auf ihr Publikum wartete.
Stolz setzte sich Renault-Nissan-Konzernchef Carlos Ghosn ans Steuer des neuen Alpine, so als wolle er damit zum Ausdruck bringen: "Seht her, wir haben alles im Griff." Danach sagte er drei Worte, die man in ferner Zukunft vielleicht in den Geschichtsbüchern nachlesen kann: "Alpine ist zurück." Nicht ganz, Monsieur Ghosn: Noch handelt es sich beim neuen Alpine um eine Studie, die der Serienversion aber schon sehr ähnlich sehen soll. Diese wird Ende 2016 vorgestellt, der Verkauf startet dann 2017.
Wie sieht es mit den technischen Daten und Zahlen aus? Der neue Alpine soll den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter 4,5 Sekunden schaffen, heißt es. Angetrieben wird der Sportler von einem Vierzylinder-Turbo, der laut Hersteller etwa 300 PS leisten wird. Details zu den Preisen und angestrebten Verkaufseinheiten wurden noch nicht genannt. "Das ist noch ein Baby", sagte Carlos Ghosn mit französischem Charme. Die Seele werde jetzt wiederbelebt. Ein Oldtimer Alpine wird mit etwa 80.000 Euro gehandelt, der neue Bolide wird definitiv günstiger. Nur die besten Renault-Händler werden den Alpine als Blickfang in ihren Showrooms stehen haben.
Den jüngeren Sportwagen-Enthusiasten, die mit der Historie nicht mehr ganz so vertraut sind, sei gesagt: Alpine wurde 1955 von dem Franzosen Jean Rédélé in dessen Heimatstadt Dieppe gegründet. Das Logo der Marke ist das Alpine "A" oder der Schriftzug Alpine. Den Namen "Alpine" wählte Jean Redele in Anlehnung an seinen Sieg beim Alpen-Pokal 1954. Allein das verrät einiges über die sportlichen Gene dieses Autos, das seinen rasanten Siegeszug wie einst Eroberer Hannibal auch jenseits der Alpen angetreten hat.
1973 übernahm Renault die Aktien-Mehrheit bei Alpine. Ende 1978 verkaufte Jean Rédélé seine restlichen Anteile an den Autohersteller und legte sein Amt nieder. Die Markenrechte von Alpine gehörten bis 2012 allein dem Renault-Konzern. 2012 verkauften die Franzosen 50 Prozent der Anteile an den Sportwagenbauer Caterham Cars aus Großbritannien. Danach fiel Alpine in einen Dornröschenschlaf. Zum Wachküssen musste allerdings kein schöner Prinz herhalten, da reichte schon große die Liebe und Leidenschaft der Renault-Strategen für Sportwagen und Motorsport. Vielleicht werden die Franzosen ja auch ihren bekannten Werbe-Slogan aus den glorreichen Formel-1-Tagen bald neu beleben: "Createur d'Automobiles".
Jutta Bernhard/mid, Ralf Loweg
Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Jutta Bernhard am 17.02.2016, 13:46 Uhr veröffentlicht.
