MOTOR-EXCLUSIVE

Jutta Bernhard - 28. Dezember 2015, 16:43 Uhr MOTORSPORT

Interview mit PS Laser - ein deutsches Privatteam bei der Rallye Dakar 2016

Dipl.-Ing. oec. Jürgen Schröder, Geschäftsführer von PS Laser, bestreitet das letzte große Abenteuer Rallye Dakar 2016 gemeinsam mit seinem Sohn Daniel. Der Motor-Informations-Dienst (mid) im Interview mit dem Probanden.


Dipl.-Ing. oec. Jürgen Schröder, Geschäftsführer von PS Laser, bestreitet das letzte große Abenteuer Rallye Dakar 2016 gemeinsam mit seinem Sohn Daniel. Der Motor-Informations-Dienst (mid) im Interview mit dem Probanden.

mid: Seit wann betreiben Sie aktiv Motorsport und wie entstand die Idee, an der Rallye Dakar teilzunehmen?

Jürgen Schröder: 35 Jahre betreibe ich aktiv Motorsport. Ich begann mit 22 Jahren aktiv Motocross Rennen zu fahren. Was ich immer noch betreibe. Dann folgten nebenbei ab 1995 einige Hardenduros mit dem Motorrad, zum Beispiel Pyränenrallye Hillclimbing Rachau, Erzberg, Roof of Africa, Romaniacs. Anfang 2000 fuhr ich zum ersten Mal auf Einladung eines Freundes aus Südafrika nach Südafrika und habe eine Endurotour mit Alfie Cox (seinerzeit noch Werksfahrer bei KTM) begleitet. Danach fuhr ich in den kommmenden Jahren immer wieder nach Südafrika zu Motorradtouren und bestritt in 2002 die erste Roof of Africa. Alfie Cox war derzeit noch aktiv bei der Dakar dabei und verbuchte auch entsprechende Erfolge. Dadurch verfolgte ich die Dakar im Fernsehen immer intensiv. Die Idee mit der Dakar entstand 2008 in Südafrika. Ich wollte die Rallye mit dem Motorrad mit Alfie Cox zusammen fahren. Alfie hatte zu dieser Zeit aber aktiv bei KTM aufgehört und schlug vor, das wir die Dakar mit dem Auto fahren, mit mir als Beifahrer. Er hatte schon eine Dakar mit einem BMW X3 bestritten. So fuhren wir 2009 zu unserer ersten gemeinsamen Dakar mit einem Buggy und wir kamen mit vielen Problemen mit einem hohen 50er Platz in Buenos Aires an. Da wir uns als gutes Team verstanden, fuhren wir in den folgenden Jahren mit einem Nissan V6 wieder zusammen. Ich als Beifahrer. 2010 auf dem 5 Platz liegend ausgeschieden, 2011 17ter, 2012 DNF in der ersten Etappe. In 2014 bin ich dann als Beifahrer auf einem Racetruck mitgefahren. DNF in der 4 Etappe. Dann bin ich in Südafrika mit einem Nissan angefangen in der Südafrikanischen Meisterschaft als Fahrer mitzufahren. Mein Sohn Daniel ist 2011 und 2012 auf dem Motorrad die Dakar gefahren und hat 2011 um den 50ten Rang herum gefinished. 2012 gewann er als 20ter gesamt die Amateurklasse. Da er sich dann im Frühjahr 2012 bei einem Motocross Rennen eine schwere Fußverletzung zugezogen hatte, konnte Daniel im Jahr 2012 kein Motorrad mehr fahren. Darum mussten wir seine geplante Teilnahme in 2013 absagen. Dann folgten für Daniel einige Meisterschaftsläufe in Südafrika als mein Beifahrer und wir wollten als Team die Dakar bestreiten. Das taten wir dann 2015 und kamen als 37ter ins Ziel. Wir beschlossen, das in 2016 zu wiederholen.

mid: Sie sind nun seit einigen Jahren als privat finanziertes Team bei Dakar dabei. Da ist das Budget sicher nicht so hoch wie bei den Werkteams. Was kostet eigentlich eine Teilnahme?

Jürgen Schröder: Ich bin als Fahrer erst einmal 2015 die Dakar gefahren. Das Budget ist sicherlich nicht vergleichbar mit einem Werksteam. Trotzdem braucht man auch ein Team mit allem, was dazu gehört und das ist leider nicht billig. Wenn man das mal so überschlägt und einem das Auto gehört, kommen da auch schnell 150.000 Euro zusammen. Aber ehrlich gesagt, möchte ich darüber nicht gerne reden, da das zu nichts führt. Jedes Privatteam versucht Sponsoren zu finden, das ist aber leider in Deutschland nicht so leicht.

mid: Sie fahren mit einem speziell umgebauten Nissan Navara V8. Welche Maßnahmen sind nötig, um ein Auto fit für die Dakar zu machen?

Jürgen Schröder: Ein Dakar Fahrzeug muss die speziellen Vorgaben für die Dakar erfüllen. Im Prinzip hat so ein Fahrzeug wenig mit einem Serienauto zu tun. Eigentlich sind das alles Spezialfahrzeuge mit einem Gitterrohrrahmen und einem hohen Sicherheitsstandard. Um das Rennen fair zu gestalten, müssen alle Fahrzeuge mit einem Restriktor fahren. Das ist ein vorgegebener Durchlass im Ansaugbereich. Da dadurch die Luftmenge beschränkt ist, ich meine in unserem Falle hat der Restriktor einen Durchlass von 36 mm, hat der Motor nur eine beschränkte Leistung (so um die 300 PS). Eine große Rolle spielt bei so einem Fahrzeug das Fahrwerk, das mit 2 Dämpfern pro Rad ausgerüstet ist und darauf ausgelegt ist, möglichst viel auszuhalten.

mid: Bei der Dakar im vergangenen Jahr haben Sie den 37. Platz erreicht, wie sehen die Ziele für die 2016er Auflage aus?

Jürgen Schröder: Das Ziel ist, erstmal ins Ziel zu kommen, was durchschnittlich über die Hälfte der Fahrzeuge nicht schafft. Unser Ziel ist es dann, unter die Top 20 zu kommen.

mid: Sie fahren nun zum zweiten Mal mit Ihrem Sohn Daniel als Navigator. Welche Vorteile hat das bei der Rallye und gibt es auch Nachteile?

Jürgen Schröder: Daniel verrichtete bei der letzten Dakar als Navigator einen Top Job und hat einen großen Anteil daran, dass wir überhaupt ins Ziel gekommen sind. Da hat er auch extrem von seinen beiden Dakar Teilnahmen als Motorradfahrer profitiert. Es gibt natürlich während des Rennens immer mal Differenzen, dies ist aber auch der Hektik des Rennens geschuldet. Am Ende des Tages waren wir aber immer froh, dass wir das Ziel erreichten und als Team perfekt funktionierten. Nach meiner Auffassung liegt der Anteil von Fahrer und Beifahrer bei jeweils 50 Prozent. Wenn man sich da nicht versteht, hat man bei der Dakar keine Chance, eine gute Platzierung zu erzielen. Daniel wäre auf der anderen Seite auch ein sehr guter Fahrer und wenn wir tauschen würden, wären wir wahrscheinlich auch nicht schlechter. Irgendwann passiert das nochmal.

Technische Daten des Boliden:

Nissan Navara V8
Engine: Nissan VK50VE
Engine Capacity: 5.0L V8
Power Output: 390hp @ 6500 rpm and 500 Nm @ 4400 rpm
Gearbox: Sadev 6 speed sequential
Suspension: Double wishbone front and rear live axle
Shock Absorbers: Reiger
Engine Management System: Motec M800
Weight: 1970KG
Fuel Capacity: 480 liters
Wheels: 16 x 7 Evo Corse
Tyres: BF Goodrich

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Jutta Bernhard am 28.12.2015, 16:43 Uhr veröffentlicht.