MOTOR-EXCLUSIVE

Ralf Loweg - 5. November 2015, 15:04 Uhr MOTORSPORT

Ein Tourenwagen-Märchen in Weiß-Blau

Als BMW 2012 werksseitig in den deutschen Tourenwagensport zurückkehrte, ahnten selbst die kühnsten Optimisten in München nicht, dass die Erfolgsgeschichte so schnell und rasant fortgeschrieben wird. Denn die Bayern mussten sich auf der Rennstrecke schließlich gegen die etablierten Rivalen Mercedes-Benz und Audi durchsetzen.

Als BMW 2012 werksseitig in den deutschen Tourenwagensport zurückkehrte, ahnten selbst die kühnsten Optimisten in München nicht, dass die Erfolgsgeschichte so schnell und rasant fortgeschrieben wird. Denn die Bayern mussten sich auf der Rennstrecke schließlich gegen die etablierten Rivalen Mercedes-Benz und Audi durchsetzen. Und diese beiden Hersteller, die auch auf dem Automarkt die schärfsten Konkurrenten der Weiß-Blauen sind, hatten einen jahrelangen technischen Vorsprung.

"Es ist in der Tat so, dass wir bisher in jedem Jahr seit unserem Comeback 2012 mindestens einen Titel erringen konnten", betont BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt nicht ohne Stolz. Die Konstanz zeige einfach, wie gut und hart alle Beteiligten an dem Projekt rund ums Deutsche Tourenwagen Masters (DTM) gearbeitet hätten. Diese Serie ist so umkämpft, dass man nicht erwarten kann, in jedem Rennen ganz oben zu stehen. "Vielmehr muss man alle noch so kleinen Stellschrauben im Blick behalten und optimieren, um dann, wenn sich die Gelegenheit bietet, maximale Punkte zu holen", sagt der Motorsportchef der Münchner. Und das ist BMW seit 2012 regelmäßig gelungen.

Das erste Kapitel des weißen-blauen Tourenwagen-Märchens schrieb 2012 der Bruno Spengler. Der Kanadier gewann im Jahr der BMW-Rückkehr auf Anhieb im M3 DTM der Fahrer-Titel. Besonders pikant: Bruno Spengler war zuvor sieben Jahre lang für den Rivalen Mercedes in der DTM unterwegs - allerdings ohne einen einzigen Titelgewinn. 2012 feierten die Münchener am Ende sogar das "Triple" aus Fahrer-, Team- und Hersteller-Titel.

2013 konnte BMW erneut den Hersteller-Titel vor Audi und Mercedes einfahren. Und 2014 gewann Marco Wittmann im M4 DTM die Meisterschaft, darüber hinaus ging auch noch die Teamwertung an die Blau-Weißen. Und in dieser Saison war BMW wieder bester der drei Hersteller. Damit haben die Münchener in den vier Jahren seit dem DTM-Comeback nun sieben von zwölf möglichen Titeln errungen.

Insgesamt steht die Bilanz seit der DTM-Rückkehr jetzt bei 20 Siegen, 20 Pole Positions und 54 Podestplätzen. Da können die Widersacher aus Stuttgart und Ingolstadt nicht mithalten. Außerdem ist Tom Blomqvist der vierte BMW-Fahrer in Folge, der sich den inoffiziellen DTM-Titel des "Einsteigers des Jahres" verdient hat. Der Sohn des ehemaligen Rallye-Weltmeisters Stig Blomqvist konnte gleich in seiner Premieren-Saison ein Rennen gewinnen.

Der Schlüssel zum Erfolg war für Jens Marquardt eindeutig die Geschlossenheit und die Effizienz. Wenn sich eine Chance geboten habe, dann habe man sie auch eiskalt genutzt - und das nicht nur mit einem oder zwei Fahrern, sondern als gesamte Mannschaft. Nur so sei es möglich gewesen, einen historischen Erfolg wie den Siebenfachsieg im niederländischen Zandvoort zu feiern. Und genau das sei vor der Saison das Ziel gewesen, wie Jens Marquardt jetzt verrät: "Unser Gesamtpaket sollte möglichst vielen Fahrern die Möglichkeit geben, um Siege zu kämpfen. Das hat wunderbar funktioniert."

Nur den Fahrer-Titel konnte BMW diesmal nicht erobern. Das lag vielleicht auch daran, dass die Strategen beim großen Rivalen Mercedes-Benz vom ersten Rennen an auf einen einzigen Fahrer in der Meisterschaft gesetzt haben: Pascal Wehrlein. Und das zahlte sich am Ende aus. Denn der 21-jährige Wehrlein trug sich als jüngster Fahrer der DTM-Geschichte in die Meisterliste ein.

Für BMW ist das kein Grund zur Traurigkeit. "Für uns ist der Hersteller-Titel von großer Bedeutung", versichert Jens Marquardt. Und da habe sich seine Mannschaft trotz schwieriger Bedingungen erneut gegen die direkten Wettbewerber aus dem Premium-Segment durchgesetzt und so gezeigt, dass man im Motorsport für seinen Kampfgeist belohnt wird. "Natürlich bin ich sehr stolz auf jeden Einzelnen - ganz gleich ob bei BMW Motorsport oder in unseren vier Teams", sagt der Motorsportdirektor der Münchner.

Ralf Loweg

Dieser Artikel aus der Kategorie MOTORSPORT wurde von Ralf Loweg am 05.11.2015, 15:04 Uhr veröffentlicht.