Michael Gebhardt/SP-X - 30. Oktober 2015, 10:21 Uhr SPECIALS
Panorama: Sondermodell Geheimagent - Was James Bond bewegt
Die Dienstwagen James Bonds sind gespickt mit allerlei Spielereien, die dem Geheimagenten das Leben leichter machen und ihm beim Retten der Welt behilflich sein sollen. Von manchen Gadgets kann sogar Otto-Normal-Verbraucher heute profitieren - wenn auch nicht von Tarnfunktion und U-Boot-Umbau.
Schließlich hat Aston Martin reichlich Erfahrung mit Bond-Cars, denn kein anderer Hersteller durfte so oft den Dienstwagen stellen. Mit dem DB5 aus ,,Goldfinger" bauten die Briten außerdem das erste Auto, das überhaupt mit Gadgets versehen wurde. Unvergessen bis heute: Die drehbaren Nummernschilder, mit denen Bond quasi seine Identität ändern konnte. Zwar hat die Bundesregierung mit den Wechselkennzeichen vor einiger Zeit eine ähnliche Technik legalisiert, so cool wie bei Sean Connery wirkt das aber lange nicht. Dafür hat es ein anderes Extra des DB5 in die Serie geschafft und gehört inzwischen fast schon zum Standard: Das Navigationssystem. Allerdings nutzte Bond den Radar-ähnlichen Bildschirm 1964 nicht, um sich den Weg anzeigen zu lassen, sondern um zu wissen, wo sich seine Gegner aufhalten.
Bis auch Otto-Normal-Verbraucher in den Genuss des Routenplaners kam, dauerte es fast 30 Jahre. BMW war es, der das Navi im damaligen 7er einführte - und mit dem intern E38 genannten Modell auch gleichzeitig einen neuen Bond-Wagen stellte. Pierce Brosnan durfte 1997 in ,,Der Morgen stirbt nie" die Münchner Limousine kutschieren - und wie immer natürlich auch zerstören. Sehr zum Leidwesen Qs: Der Waffenmeister des britischen Geheimdienstes MI6 ist es, der die Automobile für Bond aufrüstet. Und es bricht ihm jedes Mal das Herz, wenn der Geheimagent wieder einen Verlust zu vermelden hat.
Der ließ sich auch beim 7er nicht vermeiden, obwohl der Bayer - neben einem aus dem Logo auf der Motorhaube ausfahrbaren Messer und Krähenfußwerfern am Heck - mit modernster Technik ausgerüstet war, die heute ganz langsam Einzug in unsere Autos hält: Der BMW war das erste Auto mit Smartphone-Anbindung.
Wie es bei Geheimagenten öfter mal vorkommt, musste sich Bond durch einen Sprung auf die Rückbank vor feindlichen Angriffen retten - und kam so nicht mehr ans Steuer. Also zückte 007 sein Ericsson-Mobiltelefon, das ungefähr die Größe hatte, die heute Phablets wieder erreichen, und konnte bequem vom Fond aus den Wagen ums Eck driften lassen. Das Telefon ans Auto anzubinden, ist heute Gang und Gäbe und die kürzlich vorgestellte 7er-Generation ist sogar in der Lage, selbst Einzuparken. Der Fahrer kann aussteigen und muss nur, wie James Bond, auf seinem Smartphone eine Taste drücken.
Während heute eine Armada von Sensoren Unmengen von Daten liefert, die ein Hochleistungsrechner in Windeseile verarbeitet und daraus die Befehle an Gas, Bremse und Lenkung ableitet, saß das Superbrain im Film hinter dem Fahrersitz: Dort hatten die BMW-Ingenieure in knapp 1000 Arbeitsstunden ein zweites Cockpit eingebaut, indem ein nicht allzu großer Stuntman unter einem schwarzen Tuch versteckt kauerte und nur auf einem grisseligen Bildschirm sah, wo er die Limousine gerade hinsteuert.
Weit entfernt von der Serienreife sind die zwei spektakulärsten Gadgets aus Qs Arsenal: Weder gibt es die Tarnfunktion, die den Aston Martin V12 Vanquish im 2002er-Streifen ,,Stirb an einem anderen Tag" per Tastendruck unsichtbar machten, noch können Autos tauchen. Das war dem Lotus Esprit vorbehalten, mit dem James Bond 1977 in ,,Der Spion der mich liebte" den Sprung ins Wasser wagte, und der sich daraufhin in ein U-Boot mit Propellerantrieb, Höhenruder und Periskop verwandelte. Um seine Verfolger abzuschütteln, konnte er, einem Tintenfisch gleich, blaue Farbe versprühen und den Hintermännern die Sicht vernebeln - das immerhin schafft heute auch so mancher Diesel.
Apropos Tintenfisch: In ,,Octopussy" ist James Bond mit einem Range Rover Cabrio unterwegs - den konnte man sich damals zwar auf Anfrage beim Karossier bauen lassen, an eine Serienfertigung dachte der britische Geländewagen-Hersteller damals aber noch lange nicht. Das ist inzwischen anders: Schon bald will Land Rover eine offene Version des Range Rover Evoque auf den Markt werfen. Damit bringen die Briten zwar nicht das erste, aber nach dem missglückten Nissan Murano, immerhin das erste schöne SUV-Cabrio in Serie. Von Renaults, die auch ohne Dach und Heck fahren können, wie seinerzeit das Renault-11-Taxi in ,,Im Angesicht des Todes" sind wir allerdings noch weit entfernt.
Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Michael Gebhardt/SP-X am 30.10.2015, 10:21 Uhr veröffentlicht.
