Marcel Sommer - 29. Oktober 2015, 12:07 Uhr SPECIALS
Hintergrund Autokauf in Tokio: Gefühl vor Zahlen
Mitten in Tokio will Mazda durch ein neues Showroom-Konzept seinen Markanteil aufpolieren. Dabei gilt vor allem eines: Nicht die Autos stehen im Mittelpunkt, sondern vor allem die Marke soll verkauft werden.
Rund 60 Millionen Fahrzeuge fahren aktuell durch Japan. Allein 2014 wurden 5,6 Millionen Stück verkauft, Tendenz steigend. Dass an diesem automobilen Kuchen jeder Hersteller das für sich größtmögliche Stück abbekommen möchte, liegt auf der Hand. Das größte Stück hat sich 2015 bis zum Monat September bereits der Marktführer Toyota mit 1.134.073 Einheiten gesichert. Es folgen Honda mit 569.458, Suzuki mit 492.922, Nissan mit 471.224 und Daihatsu mit 466.288. Mit derzeit 5,2 Prozent Marktanteil und 202.225 verkauften Autos hinkt Mazda seiner einheimischen Konkurrenz hinterher. Noch. Daher ist der japanische Automobilhersteller gerade dabei, ein neues Konzept in die Tat umzusetzen, das neue Kunden bringen soll. Und wo bietet sich das besser an, als beim größten Mazda-Händler der Welt mit dem Namen Kanto Mazda?
Mitten in der Hauptstadt Japans hat sich Kanto-Präsident Raita Nishiyama seine Vorzeige-Filiale errichtet. Dass dafür das zuvor recht praktische, aber nicht unbedingt vorzeigbare Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden musste, stört ihn nicht. Denn was innerhalb des nun an gleicher Stelle stehenden, futuristisch und edel anmutenden Gebäudes stattfindet, ist eine ebenfalls von Grund auf neu definierte Verkaufstaktik. "Bei uns kommt es nicht darauf an, wer von meinen Verkäufern die meisten Autos an den Kunden bringt. Hier wird die Liebe zur Marke Mazda verkauft", versucht Raia Nishiyama glaubhaft zu erklären. "Unser Personal wurde bereits ein Jahr vor der Renovierung gecastet, geschult und ganz speziell auf diese Aufgabe hin vorbereitet. Bei der Auswahl ging es vor allem darum, wer die Marke am besten repräsentiert", sagt er. Was sich auf den ersten, zweiten oder dritten Blick nach einem nur zu schön geträumten Verkaufsmärchen anhört, scheint der drahtige Präsident sehr ernst zu meinen. Und die ersten Resultate dieser neuen Verkaufstaktik zeichnen sich bereits ab. "Wir haben dreimal so viele Kunden, die vorher einen Importwagen gekauft haben", schwärmt er weiter.
In den ja eigentlich nicht so wichtigen Verkaufszahlen ausgedrückt, bedeutet dies den Verkauf von 500 Fahrzeugen pro Jahr. Im Vergleich zum Gesamt-Verkaufsvolumen der 118 Kanto-Filialen von mehr als 40.000 verkauften Mazdas, ein überdurchschnittlich hoher Wert. Insgesamt arbeiten für Raia Nishiyama 2.138 Angestellte im 1960 gegründeten Unternehmen.
Besonders stolz ist der Kanto-Präsident auf den vom Mazda-Chefdesigner höchstpersönlich gestalteten und nach ihm benannten Maeda-Raum. Der zu zwei Seiten aus Glas bestehende Raum dient in erster Linie der Schlüsselübergabe mit Blick auf das neue Auto. Im Schmuckstück des rund sieben Millionen Euro teuren Neubaus werden am meisten Mazda-2-Schlüssel überreicht, gefolgt vom CX5 und dem CX3.
Marcel Sommer
Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Marcel Sommer am 29.10.2015, 12:07 Uhr veröffentlicht.
