MOTOR-EXCLUSIVE

Ralf Loweg - 29. Oktober 2015, 11:52 Uhr SPECIALS

Das autonome Autofahren und die Haftungsfrage

Das autonome Autofahren befindet sich in der Testphase. Noch sind viele Frage offen, zum Beispiel: Wer haftet wann? Eine neue Studie beleuchtet jetzt diese Situation.

Das autonome Autofahren befindet sich in der Testphase. Noch sind viele Frage offen, zum Beispiel: Wer haftet wann? Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan erwartet jedenfalls erhebliche Verschiebungen auf dem Versicherungsmarkt, wenn sich das autonome Autofahren flächendeckend durchsetzt. So könnte dann nicht länger der Autofahrer, sondern der Hersteller zum Versicherungsnehmer neu zugeschnittener Haftpflicht-Policen werden.

Die aktuelle Studie "Auswirkungen autonomer Fahrzeuge auf den Kfz-Versicherungsmarkt" erwartet laut dem Fachmagazin "kfz-betrieb", dass das derzeitige System zur Berechnung der Kfz-Versicherungsbeiträge für die neuen Anforderungen des autonomen Fahrens nicht mehr trägt. Die heute wichtigen fahrerbezogenen Faktoren wie Alter, Geschlecht, unfallfreie Zeit oder Fahrdistanz verlieren an Bedeutung, wenn die Technik das Steuer übernimmt und Sensoren versprechen, Unfälle zu vermeiden. Entscheidender sind dann fahrzeugbezogene Faktoren wie die Zuverlässigkeit der Steuerungsalgorithmen, um die Höhe der Versicherungsprämien zu bestimmen.

Für die Autoversicherer gewinnen laut der Studie damit die Parameter Produkt, Marke und Systemtechnik an Bedeutung. Dahinter steckt letztlich die Frage der Produkthaftung, wenn also ein Hersteller autonomes Fahren verspricht und dennoch ein Unfall passiert. Die Versicherer müssten künftig nicht die Möglichkeit des menschlichen Versagens berechnen, sondern das Risikopotenzial des Autos, um eine angemessene Versicherungsprämie zu bestimmen, heißt es.

Das technische Versagen eines autonomen Fahrzeugs fällt jedoch in die Kategorie Produkthaftung und ist damit ein Thema der Hersteller und Zulieferer. Sie müssen ihre Versicherungsausgaben erhöhen, um ihren Anteil am Produkthaftungsrisiko abzudecken. "Mit der Einführung einer höheren Produkthaftpflicht wird sich die Verantwortung für die Versicherung des Fahrzeugs vom Fahrzeughalter auf den Hersteller verlagern", erläutern die Experten von Frost & Sullivan.

Auf der anderen Seite geht von autonom fahrenden Autos - zumindest theoretisch - ein dramatisch sinkendes Nutzungsrisiko aus, sodass der Versicherungsbeitrag zur Deckung dieses Risikos ganz erheblich sinken muss. In diesem Zusammenhang wird die Autoversicherung teilweise in anderen Versicherungsverträgen und höherwertigen Paketen aufgehen, erwartet die Studie. Denkbar sind beispielsweise Versicherungsleistungen, die die Folgen von Cyber- oder Hacker-Angriffen abdecken.

Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Ralf Loweg am 29.10.2015, 11:52 Uhr veröffentlicht.