Holger Holzer/SP-X - 18. September 2015, 16:55 Uhr SPECIALS
Fünf IAA-Trends - Autonomie ist nicht alles
Wir haben uns auf der IAA umgesehen und fünf Trends jenseits der allgegenwärtigen Themen ,,Autonomes Fahren'' und ,,Vernetzung'' gefunden.
Elektroautos als Luxusware:
Nach den Hypes der vergangenen Jahre ist es auf der IAA um das Elektroauto relativ ruhig geworden. Umso mehr Aufmerksamkeit zogen der Porsche Mission E und der Audi E-Tron Quattro auf sich - die beiden Stromer-Studien aus dem VW-Konzern. Die Luxusmodelle sind die Antwort der beiden Premiumhersteller auf den Erfolg des kalifornischen E-Auto-Pioniers Tesla, der mit dem Model S im angestammten Milieu der zahlungskräftigen Kundschaft wildert. Dort nämlich läuft es gut mit der E-Mobilität, weil Image und Power für Zweit- und Drittwagenbesitzer mehr zählen als umfassende Alltagstauglichkeit. Im bürgerlichen E-Auto-Segment herrscht hingegen aktuell Flaute - bei den Studien und erst recht bei den Serienautos. Und natürlich auch bei den Zulassungszahlen.
Schöne Innenräume:
Die Zeit von Hartplastik-Cockpit im Lieblos-Design sind selbst im Kleinwagen endgültig vorbei. Keine IAA-Neuheit kann es sich mehr leisten, auf eine sorgfältige und hochwertige Innenraum-Gestaltung zu verzichten. Getrieben wird die Aufwertung des Interieurs mal wieder von China - dort sind die Autokäufer jung, wohlhabend und sehr designorientiert. Zulieferer wie Yanfeng, Faurecia und Johnson Controls setzen stark auf den ,,China Luxury"-Trend: vom aufwendigen LED-Beleuchtungskonzept, über neue Materialien wie Stein, Strick oder Kupfer, bis hin zu Ledersitzen mit individualisierter Wappen-Prägung für die Großserie.
SUV für Aristokraten:
Da denkt man auf jeder Messe: ,,Jetzt müssten doch endlich mal alle Hersteller ein SUV im Programm haben." Und dann kommen doch wieder welche dazu, die die Lücke erst noch füllen müssen: Relativ spät zum Bau eines Crossovers haben sich nun die noblen britischen Hersteller Jaguar und Bentley entschlossen. Vor allem bei letztgenannten hatte man die Furcht, die teure Kundschaft würde ein Matsch-und-Schlamm-Mobil wie den Bentayga naserümpfend links liegen lassen. Offenbar spielen Vorbehalte traditionalistischer Kunden aber angesichts des großen Absatzpotenzials nun keine entscheidende Rolle mehr. Zu einem ähnlichen Ergebnis ist man offenbar auch bei Rolls-Royce gekommen, wo ein ganz ähnlicher Offroad-Trum geplant ist. Die Sportwagenhersteller Lamborghini und Aston Martin dürften sich künftig ebenfalls einreihen.
Leistung zählt immer noch:
Auf der einen Seite kämpfen Autoentwickler um den kleinsten Tropfen Spritersparnis; andererseits blasen sie den Effizienzgewinn umgehend wieder in die Luft. Weil Motoren zwar sparsamer, gleichzeitig aber auch stärker werden, sinkt der CO2-Ausstoß im Straßenverkehr deutlich langsamer als es möglich wäre. Auf die Spitze getrieben sieht man diese Entwicklung mittlerweile beim Wettrüsten in der Kompaktklasse. Die langjährige sportliche Speerspitze VW Golf GTI wirkt dort mittlerweile mit ihren 230 PS schon ernsthaft untermotorisiert. Peugeots neuer 308 GTi kommt bereits auf 200 kW/272 PS, Hondas Civic Type R wirft 228 kW/310 PS auf die Vorderachse und der Mercedes A 45 AMG ist mit 280 kW/381 PS stärker als der erste Porsche 911 Turbo. Mit einem Normverbrauch von 6,9 Litern ist er allerdings auch deutlich sparsamer als jener.
Mehr Licht:
Dass die sogenannte Leuchten-Grafik ein wichtiges Erkennungszeichen für einen Autohersteller sein kann, weiß man spätestens, seit BMW vor 15 Jahren die Korona-Ringe an seinen Scheinwerfern eingeführt hat. Gerade in den letzten Jahren sind Lampen und Leuchten immer stärker zu Visitenkarten eines Modells geworden. Dass das nicht mehr nur ein Distinktionsmerkmal für Luxushersteller ist, zeigt auf der IAA in voller Konsequenz der neue Renault Mégane, der mit seinen großen C-förmigen Tagfahrlichtern ganz besonders auf den Aufmerksamkeitseffekt von Licht setzt. Opel hat beim neuen Astra keine Mühen gescheut, die bislang nur aus der Oberklasse bekannte Matrix-LED-Technik zu adaptieren. Inklusive der zu kleinen Techno-Schaukästen gewordenen Scheinwerfergehäuse. Ein Zufall ist das nicht: Erlaubt es doch auffällige oder aufwendige Lichttechnik dem Hersteller, sich wirksam aber mit überschaubarem Aufwand von anderen Marken abzugrenzen. Gerade in Zeiten, in denen Modelle sich optisch und technisch immer ähnlicher werden, ein probates Mittel.
Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Holger Holzer/SP-X am 18.09.2015, 16:55 Uhr veröffentlicht.
