Alexandra Felts/SP-X - 4. September 2015, 11:43 Uhr SPECIALS
Panorama: Mit dem Skoda Yeti durch die Karpaten - Dracula wohnt hier nicht mehr
Die einmalige Landschaft zwischen Belgrad und dem rumänischen Sibiu bietet wildromantische Entdeckungen fern der bekannten europäischen Pfade. Hier konnte das SUV von Skoda zeigen, dass er zu Recht den Namen eines Gebirgsmonsters trägt.
Aber was ist die Legende von Dracula gegenüber der langen, unruhigen Geschichte der Balkanländer? Auch die aktuelle Nachrichtenlage lässt übersehen, wie vielfältig und ursprünglich diese Landschaften am Rande des Kontinents sind. Einen Einblick in diese ferne Welt der Karpaten vermittelte die "Euro Trek 2015"-Tour von Skoda, die den Yeti erstmals auf abenteuerlichen Spuren von Belgrad nach Sibiu - das alte Hermannstadt - in Siebenbürgen führte. Gut 630 Kilometer, davon die meisten auf unbefestigten Wegen, musste er dabei bewältigen und beweisen, dass der Begriff SUV durchaus mehr sein kann, als eine Frage der modischen Optik.
Für die Tour hatte Skoda den Yeti in der Ausstattungsvariante Outdoor Style ausgewählt: eine Top-Variante, die für annähernd 40.000 Euro praktische Reisebegleiter wie Sportsitze (für durchgerüttelte Rücken), Rückfahrkamera (für enges Rangieren), Dachreling (für Ersatzreifen) und feine Leichtmetallfelgen (die bald vor Dreck starrten) im Gepäck hatte. Einzig der verstärkte Unterbodenschutz war eine besondere Zugabe des tschechischen Herstellers. Auch für den neuen 2,0-Liter-Diesel (110 kW/150 PS) mit Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe dürfte es der erste Härtetest gewesen sein.
Während man auf einer sehr gepflegten Schnellstraße an Belgrad vorbei Richtung rumänische Grenze fährt, schimmern in östlicher Richtung bereits mit dem Banater Gebirge Ausläufer des südlichen Karpatenbogens, während seitlich die Donau blau, breit und träge ihrem uralten Weg zum Schwarzen Meer folgt. Der Flusslauf kümmert sich nicht um Grenzen und Politik, sondern bietet mit dem berühmten Eisernen Tor kurz vor Rumänien und dem Wiedereintritt in die EU sogar einen dramatisch engen Donau-Durchbruch, der auch Loreley erneut zum Gesang angeregt hätte. Allein diese von Felsen beschattete Uferstraße mit unzähligen Kurven ist eine Reise wert.
Doch Paul, der rumänische Guide der Tour, will, dass der Yeti immer wieder den gewohnten Asphalt verlässt. Dafür muss der Reifendruck von circa drei Bar um ein Drittel gesenkt werden, damit sich die Pneus mit normalem Profil in weichere Kletterschuhe verwandeln können. Rechnet man die Anstiege der dreitägigen Tour in Höhenmeter zusammen, dann hat dieser Yeti als wohl einziges Himalaya-Fabeltier tatsächlich den Mount Everest bezwungen. Wobei er bisweilen Steigungen von 34 Prozent und Gefälle von 41 Prozent auf sich genommen hat. Immer mehr Offroad-Fans aus Osteuropa entdecken übrigens diese wilden Wege, die anders als im Westen, oft gegen Gebühr befahren werden dürfen.
Blickt man über das Lenkrad auf die tiefen Furchen- und Rillenlandschaften, die einige der steilen Bergpassagen durchziehen, stellt sich die spannende Frage, ob ein SUV, der natürlich kein klassischer Geländewagen ist, das ebenso wie die Großmeister des Groben schafft. Wie viele seiner Artgenossen verteilt auch der Yeti automatisch die Kräfte nach Bedarf auf die Achsen. Kaum merklich greift beim Anfahren im steilen Gelände die elektronische Differenzialsperre und versetzt den Yeti in einen behutsamen Kriechgang. Auch die Elektronik des Off-Road-Assistenten hat alle Hände voll zu tun. Vor allem bei Abfahrten bremst das System und entlastet so den Bremsfuß. Und das Drehmoment von 340 Nm sorgt dafür, dass trotz niedertourigem Fahren genug Vortrieb fürs kräftezehrende Klettern bleibt. Zumindest wenn der Untergrund staubtrocken ist. Aber selbst bei den anspruchsvolleren Passagen blieb Zeit, die riesigen Buchen-, Eichen- und Birkenwälder, die den Weg säumen, zu bewundern. Aber auch Zeit, die illegalen Rodungen zu vermerken.
Wenige, wenn sie nicht einheimische Naturliebhaber sind, werden diese Seite Rumäniens kennen. Zum Beispiel den majestätischen Iovanu-Stausee, der plötzlich zwischen den Bäumen sichtbar wird. Oder das Rezetat-Gebirge, das neben den Alpen zu den wichtigsten Hochgebirgs-Naturschutzgebieten zählt. Hier führt auch die 1939 von König Caroll II von Rumänien eröffnete "Straße des Königs" hindurch - eine 140 Kilometer lange Bergstraße, die Transsilvanien mit der Walachei verbindet. Auch ohne Draculas angebliche Vorlieben ist diese landwirtschaftlich geprägte Region menschenleer. Die wenigen Dörfer kuscheln sich in die Mulden der weichen Hügellandschaft, die von den Pyramidenhaufen der typischen Heudiemen durchzogen ist.
Bei der Durchfahrt dieser für den Osten charakteristischen Straßendörfer fällt auf, dass die niedrigen Häuser meist einen frischen, bunten Anstrich haben. Viele der Neubauten haben Erker und Balustraden, die von architektonischem Ehrgeiz zeugen. Selbst zu Zeiten der Kommunisten hatten Schafzüchter ein gutes Einkommen, denn sie wurden gefördert und konnten Wolle Käse und Fleisch vermarkten. Herden mit bis zu 20.000 Tieren seien keine Seltenheit, erklärte Paul. Als wüssten sie um ihre Bedeutung, betrachteten die stämmigen Tiere mit den schwarzen Gesichtern abschätzig den Yeti-Trek, der ihre Wege kreuzte. Obwohl Skoda in Rumänien bereits im März mit 700 Fahrzeugen eine Wachstum von über 23 Prozent verzeichnen konnte.
Wiewohl Rumänien zu den ärmeren EU-Mitgliedsstaaten zählt, gibt es inzwischen eine Mittelschicht, die wie einst Kaiserin Sisi und davor die Römer die Thermalquellen des idyllischen Kurortes Herkulesbad besucht. Oft genug, wenn der Yeti wieder festen Boden unter den Reifen hatte, teilte er die Straße nicht nur mit betagten Modellen der rumänischen Marke Dacia, sondern mit BMW, Audi und Mercedes. Rumänien begann übrigens als erstes Land in der Welt 1857 mit der Ölproduktion.
Was mag wohl der Bentley-Fahrer gedacht haben, der auf dem historischen Marktplatz von Sibiu sich plötzlich einer Kolonne von verschmutzten und verstaubten Yetis gegenübersah? In der Siebenbürger Metropole, die 2007 Kulturhauptstadt Europas war, endete die Skoda-Reise. Dass gerade die Glocken in dieser Stadt läuteten, in der immer schon deutsch gleichberechtigt mit rumänisch gesprochen wurde, war ein Zufall. Aber sie läuten übrigens zeitversetzt, damit Protestanten, Uniierte und Orthodoxe ihre Kirche heraushören können.
Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Alexandra Felts/SP-X am 04.09.2015, 11:43 Uhr veröffentlicht.
