Ralf Loweg (vm) - 16. Januar 2014, 15:30 Uhr SPECIALS
Harley: Heißer Ofen für die Frauen
Marlon Brando und Lee Marvin haben es vorgelebt: Im Kino-Klassiker "The Wild One" ("Der Wilde") spielen diese beiden Hollywood-Superstars 1953 die Anführer zweier rivalisierender Motorradbanden.
An dieser Zielgruppe änderte sich über viele Jahrzehnte hinweg kaum etwas, sehr zum Leidwesen der Harley-Strategen. Schätzungen gehen derzeit von einem Altersschnitt der Harley-Fahrer von 50 Jahren aus. Deshalb hat das Unternehmen begonnen, eine neue Zielgruppe zu umwerben: Frauen - zuerst in den USA, danach weltweit.
Und diese Neuausrichtung scheint Erfolg zu haben. Die legendäre Harley Davidson wird zum "heißen Ofen" - und speziell für Frauen. "Der Anteil weiblicher Kunden an unseren Neuzulassungen beträgt derzeit rund zehn Prozent", sagt Frank Klumpp, der Marketing Director bei Harley Davidson Deutschland, dem Fachmagazin "Werben & Verkaufen ("W&V"). Und immerhin tausend Frauen kaufen sich pro Jahr in Deutschland eine Harley - Tendenz steigend.
Mit insgesamt 10 000 verkauften Motorrädern in Deutschland lag das Unternehmen im vergangenen Jahr auf Platz 3 der Branche, weltweit stiegen die Verkäufe im 3. Quartal 2013 um 16 Prozent. In den USA kaufen inzwischen vor allem weiße Frauen über 35 nur dieses Motorrad so häufig. Zwar hat der Hersteller kein Motorrad speziell für Frauen gebaut, doch er stellt die Individualisierungsmöglichkeiten für dieses neue Klientel heraus: "Jede Harley lässt sich mit Teilen aus unserem Zubehörprogramm an die individuellen Körpermaße des Fahrers oder der Fahrerin angleichen", sagt Klumpp.
Um Frauen die Hemmschwelle vor dem Lebensgefühl eines "Easy Riders" zu nehmen, veranstalten US-Händler sogenannte "Garage Partys". Dort werden der interessierten weiblichen Kundschaft Modelle wie die leichtere und agilere Sportster-Baureihe präsentiert. Die Motorrad-Lady bevorzugt hellere Farben und weniger Chromblitzendes. Und sie ist lernfähig. Denn mit der richtigen Handhabungstechnik kann auch das "schwache Geschlecht" ein umgestürztes Motorrad wieder aufheben.
Ähnlich ist das Angebot in Deutschland. "Hierzulande bieten die Vertragshändler beispielsweise Ladies Days und Ladies Nights an, die Frauen an das Motorrad und an unsere Marke heranführen und binden", meint Klumpp und hebt ein Extra für die neuen Kundinnen hervor: "Für alle Frauen, die noch nie selbst im Motorradsattel saßen, gibt es dort oft unseren Fahrsimulator 'Jump Start', auf dem man/frau ein nahezu authentisches Fahrgefühl erlebt, obwohl das Motorrad - eine echte Harley - fest auf einem Gestell montiert ist."
Auf Printmotiven wirbt Harley Deutschland mit Slogans wie "Männer an den Herd, Frauen auf den Ofen" sowie "Power sucht Frau". Auf Unterseiten seines Web-Auftritts stellt das Unternehmen alle Angebote für Frauen vor. In Deutschland sei das zwar "derzeit nicht in Planung", sagt Christian Arnezeder, Managing Director der DACH-Region, doch wer englisch oder französisch kann, ist fein raus.
Die neuen Street-Modelle, die dieses Jahr auf den Markt kommen werden, richten sich ausdrücklich auch an Frauen. Es ist die erste Harley auf einer neuen Plattform seit 13 Jahren - klein, agil und mit rund 7500 Euro die bisher günstigste Harley. Arnezeder: "In Deutschland wird die Street voraussichtlich im Modelljahr 2015 verfügbar sein."
Dieser Artikel aus der Kategorie SPECIALS wurde von Ralf Loweg (vm) am 16.01.2014, 15:30 Uhr veröffentlicht.
